Design fördert Lesemotivation und Verständnis

Wie können Typografie, Gestaltung und Design einen Text verständlicher machen? Mit dieser Frage befasst sich das Forschungsprojekt «Leichte Sprache und Typografie». Mittels Typografie und Design wollen Kommunikationsdesignerin Sabina Sieghart und Sprachwissenschaftlerin Bettina Bock die Leichte Sprache verbessern.

Leichte Sprache stützt sich auf viele Regeln. Manche davon betreffen die Gestaltung. Kommunikationsdesignerin Sabina Sieghart ist der Meinung, dass diese Regeln zu eng oder manchmal sogar falsch sind. Nun will sie die Leichte Sprache verbessern, indem bestehende Regeln im Konzept «Leichte Sprache» der Designforschung gegenübergestellt werden.

Siegharts Idee stiess bei Sprachwissenschaftlerin Bettina Bock auf grosses Interesse. Auch sie ist davon überzeugt, dass das Design wichtig ist. Zusammen haben sie das Forschungsprojekt «Leichte Sprache und Typografe» lanciert. Dieses Projekt soll nun die Rolle der Typografie bezüglich der Verbesserung der Verständlichkeit testen.

Mehr Design, mehr Verständlichkeit

Unter Typografie versteht man sowohl die Mikro- wie auch die Makrotypografie. Die Mikrotypografie schafft beispielsweise mit Hilfe von Schriftgestaltung und Schriftart Hierarchien im Text. Dabei ist jede Schriftart einzigartig. «Jede Schrift hat eine Geschichte und vermittelt somit auch Informationen jenseits des Inhalts», sagt Sieghart. «Die Schrift ist wie eine Betonung, eine Mimik oder Gestik». Sie setze Akzente und helfe so der Wahrnehmung und Ordnung der Information.

Unter Makrotypografie hingegen versteht man die Gliederung und die Organisation eines Textes. Wie verteilt man die Informationen auf der Fläche und wo setzt man visuelle Akzente? «So spielt das Design beispielsweise eine grosse Rolle in der Erkennung der Textsorte», betont Bock. «Es hilft, einen Text zu verstehen. Dank dem Design erkennt man zum Beispiel, dass eine Zeitung eine Zeitung ist». Das Design dient als Vorinformation und Hinweis auf die Textfunktion.

Mehr Design, mehr Spass

Beide Forscherinnen sind überzeugt, dass eine gute Gestaltung die Leser*innen motiviert, überhaupt zu lesen und einen Flyer, ein Buch, eine Broschüre überhaupt in die Hand zu nehmen und zu lesen.

Diese Ebene wird bei Produkten in Leichter Sprache oft vergessen. Sie ist aber wesentlich, wie das Beispiel der «Ausschreibung Galerie Bezirk Oberbayern» zeigt. Das Redesign ihres Flyers konnte die Ausschreibung deutlich erfolgreicher machen. Nicht nur dank besseren gewählten und somit klareren Worten, sondern auch dank dem attraktiven Design. Dieses Beispiel ist gründlich erklärt in diesem Dokument (PDF) .

Produkte gestalten und testen

Im Rahmen des Projekts «Leichte Sprache und Typografie» gilt es für Sieghart und Bock als Erstes, Texte und Produkte in Leichter Sprache zu analysieren. Danach werden sie eigene Produkte kreieren und diese mit Nutzern aus dem Zielpublikum testen. Das Ziel des Projekts ist es, Leitlinien zu erstellen und eine Reihe von Erfolgsmethoden zu formulieren.

Interview mit Sabina Sieghart und Bettina Bock


Um das Projekt durchführen zu können, suchen Sabina Sieghart und Bettina Bock Partner aus der Praxis, um Produkte in Leichter Sprache zu gestalten und zu testen. Dazu suchen sie auch finanzielle Unterstützung. Sie können sich vorstellen, mit einem oder mehreren Partnern zusammenzuarbeiten und kleinere oder grössere Forschungssettings zu organisieren.


Sabina Sieghart, studierte Kommunikationsdesignerin, denkt und gestaltet seit 1994 mit Leidenschaft für Kunden und Agenturen. Seit 2003 unterrichtet sie, zur Zeit an der FH Salzburg. Seit 1999 hat sie ihr eigenes Büro, die ersten vier praktischen Jahre war sie Mitarbeiterin im Büro «Rolf Müller» in München und bei «Design/Writing/Research» in New York. 2016 startete sie das Forschungsprojekt zum Thema «Leichte Sprache und Typografie».
Beispiel einer Umsetzung: link

Dr. Bettina Bock forscht im Bereich germanistische Linguistik an der Universität Leipzig und ist Lehrbeauftragte an der Universität zu Köln. Ab WS 2017/18 hat sie eine Juniorprofessur im Bereich Sprachdidaktik und Inklusion an der Universität zu Köln inne. Zu ihren Forschungsschwerpunkten gehören Leichte Sprache, Text- und Diskurslinguistik, Politolinguistik, Stilistik.
Infos über Ihres aktuellen Projekts «Leichte Sprache und Arbeit» (LeiSA): link

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